28 Transit Berlin

Manchmal ist die Eingangsmelodie, sind die ersten Takte einer Musik stark ergreifend. Ich halte dabei die Luft an, weil ich vollständig von ihr gefangen bin. Puccinis ‚Tosca‘, die Arie „E lucevan le stelle“, ist so eine ganz besondere! Die Klarinette! Diese absolute Reinheit der Wehmut. Das ist Musik von der Art, die nicht durch die Ohren, sondern irgendwo und irgendwie in mich eindringt. Sie kriecht das Rückenmark hoch, schüttelt und rüttelt alle Sinne, bis es ein einziges Beben ist.
Wenn ich nicht nur von Adam, sondern weit vorher auch von der Amöbe abstamme, dann habe ich wer weiß was für unbekannte Sensoren, um Außenreize aufzunehmen. Vielleicht gibt es einen ganz bestimmten, einen, der es schafft, alle Sperren zu durchbrechen, zu meiner inneren Amöbe vorzudringen und diese in Vibration zu versetzen? Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ macht, ich werde unweigerlich fröhlich. Bach, Mozart, Beethoven: Das ist überirdisch schön … und vieles, sehr vieles mehr … Und dann schafft es so eine klagende Klarinette mit ihrer kleinen Melodie, mich mein Rückenmark fühlen zu lassen, denn ihre Klänge stammen nicht aus dieser Welt und auch nicht von einem anderen Stern, sie sind aus einer anderen Galaxie.
„Der Mensch ist das vernünftige Tier.“ Aristoteles! Richtig daran ist, wir sind ein Tier. Gut, er sieht uns zusammen mit ihnen als eine Einheit. Woher nimmt er die Erkenntnis, wir seien vernünftig? Alle unsere Entscheidungen sind ohne Sinn und Verstand, nur eine Abwägung der Bequemlichkeit. Wir werden gesteuert durch das, was geschieht! Unser Vater darf nicht als Pastor arbeiten. Er bekommt trotz offener Pfarrstellen keine zugewiesen. Mit einer rechtswidrigen Sperrklausel wollen die westdeutschen Landeskirchen verhindern, daß Pfarrer aus ostdeutschen Landeskirchen in den Westen übersiedeln. Er muß ein Jahr warten und hat sich in Erlangen-Bruck eine Wohnung gemietet. Weil er extrem sparsam und die Wohnung als Heizung nur einen alten Ölofen hat, hat er mit Plastikplanen die Wohnung verkleinert und lebt in einem kleinen Winkel um den Ofen. Zum Glück kommt der Frühling, es wird wärmer. Unsere Mutter ist nach Stuttgart gegangen und dort mit Hilfe eines Jugendfreundes zu einer Wohnung und Arbeit als Krankenschwester in einem Krankenhaus gekommen. Lange habe ich überlegt, ob ich auch meinen Vater nach der Augustnacht 1961 in Kassel fragen soll. Ich habe mir überlegt: Was würde ich antworten, würde mich mein Kind irgendwann nach so einer von mir getroffenen, sein Schicksal lenkenden Entscheidung fragen? Hätte ich, falls es eine schwere Fehlentscheidung war, den Mut, dazu zu stehen? Wer weiß, warum er zurück in den Osten gegangen ist? Ob er Schuld auf sich geladen hatte und diese abtragen wollte? Ich dachte mir, ich werde keine wirklich tiefe, ehrliche Antwort bekommen, also lasse ich besser das Fragen und unterstelle ihm die ja offensichtliche Wahrheit: Er wollte seine Gemeinde nicht im Stich lassen und ein guter Pfarrer sein. Über diesen Gedanken sinniere ich weiter: Ein wichtiger Aspekt, warum ich den Knast auf mich genommen habe, war, an die Zukunft meiner Kinder zu denken. Sie sollten nicht in diesem düsteren, engstirnigen SED-Regime aufwachsen müssen. Sie sollten in einer freien Welt geboren werden, sich nie ducken und anderen Menschen nach dem Mund reden müssen. Das wollte ich unbedingt und dachte dabei nicht an „Ich will es besser machen als mein Vater“, sondern dachte an den Mann meiner Schwester. Wir haben ihn vor unserer Flucht getroffen und aufgefordert, doch um unserer Schwester und ihrer beider zukünftigen Kinder willen auch den Knast auf sich zu nehmen, damit sie frei aufwachsen können. Er hat das abgelehnt, er hätte dazu nicht den Mut und die Kraft. Dann hat er sich in die Kirche verkrochen, sich dort im Gemeindekirchenrat versteckt und einen Glauben vorgetäuscht, den er nicht hat. Seitdem verachte ich ihn, aber ich zeige das nicht, um meine Schwester nicht zu kränken. Mir fällt auch noch ein, mein Schwager hatte mir auf einer Fahrt mit meinem W50 gebeichtet, sein Bruder würde für die Stasi im Postzentrum Briefe über dem Wasserdampf öffnen. Also ein weiteres Beispiel: Es gibt Familien, bei denen wird die Feigheit und das Wegschauen vererbt, und Familien, die vererben Mut und Anstand. Was sagt Gregor Mendel? Welche ist die dominante Eigenschaft?
Weiter komme ich nicht mit meinen Gedanken. Die hintere Tür wird heftig aufgerissen, ein typischer Anzugmensch steigt ein:
„Zum Flughafen bitte!“, und als ich losfahre, sagt er:
„Bitte stellen Sie das gräßliche Gedudel ab.“
Ich schalte um von BR4 mit Puccini auf BR3 Verkehrsfunk.
Isa und ich wollen versuchen, die Altlasten, das, was wir bei unseren Eltern und Großeltern sehen, nicht in unser Leben hineinwirken zu lassen. Das Böse darin soll nicht bei uns zu Verbitterung werden. Wir fühlen uns an einem Nullpunkt, auf dem wir aufbauen wollen.
Isas Bruder hat sich in Westberlin an der Freien Universität für Medizin immatrikuliert, weil er wegen eines Knieproblems nicht Sport studieren kann. Wir wollen ihn besuchen. Ich habe die Idee: Es ist zwar ein großer Umweg, aber wenn wir nicht die direkte Transitstrecke von Nürnberg nach Berlin fahren, sondern den Umweg der Transitstrecke über Hessen nehmen, dann kommen wir an Eisenach vorbei und von der Autobahn kann man das gelbe Pfarrhaus sehen, in dem ich aufgewachsen bin. Ich würde es gerne Isa zeigen und bin neugierig, mit welchem Gefühl ich nun über die Hörselberge mit meinem westdeutschen Paß in der Tasche Transit nach Berlin fahre. Gibt es eventuell irgendeinen Anflug von Heimatgefühl zu Thüringen, zur Wartburg, zu Eisenach?
Tage später ist es so weit. Wir fahren los und biegen am Kirchheimer Dreieck rechts ab auf die A4. Auf den Schildern steht: Eisenach und Erfurt, so normal, als ob es die Grenze, den eisernen Vorhang nicht gäbe. Die Musik wird mir zuviel, ich stelle das Radio ab. Mir ist kalt. Grenzkontrolle bei Herleshausen: Die Westdeutschen winken uns unkontrolliert durch, dann die Ostdeutschen, sie schauen böse aus ihrer Uniform. Paßkontrolle, steinerne Gesichter – Stempel in den Paß und dann dürfen wir weiter. Ein Schild: „Transit nach Berlin“ und ein weiteres Schild: „Eisenach 7 km“. Als wir die Stelle erreichen, von der aus wir das Pfarrhaus sehen können, fahre ich ganz langsam. Aber es ist nur ein großes gelbes Haus oben am Hang. Keine besonderen Emotionen. Isa schaut neugierig – schon sind wir daran vorbei. Die Ausfahrt Eisenach-West, da steht auf der Gegenspur das Schild, damals das Ende meiner Welt: „Stop, Weiterfahrt nur Transit.“ Isa muß sich umdrehen, um es lesen zu können. Dann liegt Eisenach rechts neben uns im Tal. Ich erkenne den Turm der Georgenkirche und als wir höher kommen, sehe ich das Burschenschaftsdenkmal und vorne an der Ausfahrt Eisenach-Ost steht ein Tramper. Jemanden unterwegs mitzunehmen, ist verboten. Trotzdem: Zu oft stand ich selbst an dieser Ausfahrt, um nach Weimar zu trampen. Ich kann nicht anders, ich fahre an der Ausfahrt auf den kleinen Seitenparkplatz und nehme den Tramper mit. Ein junger Mann, er will bis Jena, und setzt sich hinten zu Mira. Wir fahren wieder auf die Autobahn ein, mit uns ein W50-Kipper. An seinem Heck sehe ich das mir vertraute Firmenlogo des Kraftverkehrs Eisenach, ein schwarz-gelbes Viereck mit den Buchstaben „Ei“ in der Mitte. Wir fahren an der langen Steigung, dem Stich, hoch zu den kleinen Hörselbergen ein Stück nebeneinander. Er qualmt schrecklich, der Geruch des Auspuffs kommt auch zu uns herüber. Ich spüre auf einmal, als ob ich damals und heute gleichzeitig bin: Wenn ich Ladung hatte, mußte ich genau jetzt herunterschalten. Und tatsächlich, jetzt müssen wir beide zeitgleich herunterschalten, unser Käfer schafft die Steigung auch nicht im vierten Gang. Ich weiß, unser Gehirn hat irgendwann bei seiner Entwicklung von der Amöbe zu uns Menschen gelernt, bestimmte Bewegungsabläufe zu verinnerlichen und sie eine Gehirnebene tiefer abzuspeichern, sodaß sie ohne Nachzudenken abgerufen werden können. Ich muß nicht mehr beim Querflötenspielen überlegen, wie meine Finger im Einzelnen bewegt werden müssen. Ich schaue auf die Noten und meine Finger laufen. So auch beim Autofahren das Schalten. Ich muß keinen Befehl an meinen Fuß geben: Kupplung treten, Hand: Gang wechseln, Fuß: Kupplung loslassen. Das läuft automatisch. Aber wie ich das so synchron mit meinem neben mir fahrenden ehemaligen Kollegen mache, spielt mir mein Gehirn einen Streich: Es überschüttet mich mit Erinnerungen. Ich spüre sofort, was ich gefühlt habe, damals, als ich im Ostauto saß und ein Westauto neben mir fuhr. Ich überlege, ob er da oben in seiner Fahrerkabine zu uns in unseren Käfer herunterschaut und zwei junge Leute sieht, die in einem alten Käfer frei und fröhlich quer durch Europa reisen können. Damals fühlte ich mich wie ein Mensch zweiter Klasse. Was er wohl fühlt? Bin ich jetzt besser als er? Hätte ich doch bleiben müssen, um als Wissender zu helfen? Ich möchte ihm sagen: „Ich bin doch auch einer von euch, einer, der eingesperrt war“, und ihm meine Solidarität zeigen. Andererseits fühle ich Abneigung, weil sie nichts tun und sich immer beugen und mitmachen, was von ihnen verlangt wird.
Wir erreichen die Höhe, ich fahre ab auf den Parkplatz „Raststätte kleiner Hörselberg“. Hier kannte ich fast alle Kellner, den heute kenne ich nicht. Wir trinken einen Kaffee und bezahlen mit Westgeld. Als wir einen Moment nicht aufpassen, rennt Mira weg, über den Hang im tiefen Schnee weiter bergauf. Die Transitstrecke zu verlassen, ist auf jeden Fall zu gefährlich. Der Tramper hilft und ihm gelingt es, Mira wieder einzufangen. Beim Einsteigen bleibe ich noch stehen, drehe mich um, um noch einmal die Wartburg zu sehen. Isa kneift mich in den Arm und kichert:
„Blick zurück im Zorn?“ Natürlich weiß ich, warum sie dabei kichert, bin doch nicht Jimmy Porter! Wir nehmen uns in den Arm und sind erleichtert: Mira ist wieder da. Dann fahren wir los und kommen mit unserem Tramper ins Gespräch. Er erzählt uns von drei Brüdern, Pfarrerskindern, die waren aus Eisenach und sind jetzt alle im Westen. Ich greife sofort Isas Hand, drücke sie kurz und als sie mich daraufhin ansieht, schüttele ich verneinend den Kopf. Als er dann noch anfängt zu fragen, wie man in den Westen kommt, bin ich mir fast sicher: Den hat die Stasi an die Autobahn gestellt, wissend, ich nehme immer Tramper mit. Der ist von der Stasi und wenn ich jetzt einen Ratschlag gebe, was man tun könnte, werde ich wegen Beihilfe zur Flucht wieder verhaftet. Wir schweigen und geben auch nicht zu verstehen: Einer dieser Brüder bin ich! Wenn er aber kein Stasi ist, dann haben wir Brüder einen gehörigen Eindruck in Eisenach hinterlassen. Man spricht noch nach Jahren von uns. Auch das ist ein Beitrag, gegen eine Diktatur anzustehen, den Weg zu zeigen, wie man sich befreien kann. Isa fährt, ich kann entspannen.
Das Wetter wird schlechter, Schneetreiben. Wir fahren an Weimar vorbei. Bedeckter Himmel mit Wolkendunst und Eichen stehen auf den Bergeshöhn. Prometheus und Ikarus könnten Brüder sein. Wieso muß ich gerade jetzt daran denken? Beides aktive Männer. Der eine hat einen strafenden Vater, der andere einen, der seine Aufsichtspflicht verletzt hatte. Der Vater Dädalus hätte wissen müssen: Der hormongeladene Ikarus kann gar nicht anders, als weiter und weiter aufzusteigen. Er hätte es verhindern müssen, er ist für den Tod des Ikarus verantwortlich. Prometheus hatte den strafenden Vater und sich erfolgreich gegen ihn zur Wehr gesetzt. Was habe ich für einen Vater? Vermutlich hat er sich über mein Schicksal keine Gedanken gemacht.
Jena-Lobeda: Der Tramper steigt aus. Hier stehen rechts und links der Autobahn neue Wohnblocks in der typischen grauen Plattenbauweise. Zehn Stockwerke hoch und nichts erinnert mehr an das Lobeda meiner Kindheit, als ich hier meine Sommerferien verbringen durfte. Ob der junge Mann von der Stasi war oder es einfach nur solche Zufälle gibt, wir wissen es nicht und sind erleichtert, wieder allein zu sein. Die Autobahn ist in einem katastrophalen Zustand. Viele Schlaglöcher und zwischen den Betonschwellen oft richtig kleine Stufen. Dann fällt ein Scheinwerfer aus. Bei dem Schneetreiben will ich doch die Birne wechseln. In der Nähe von Dessau fahre ich auf einen kleinen Parkplatz und wechsle die Birne. Dort bleiben wir noch eine Weile und kuscheln auf der Rückbank. Plaste und ElasteAls wir weiterfahren, kommen wir über die Elbbrücke. Zwischen den Spuren ein großer Turm mit Neonleuchtschrift: „Plaste und Elaste aus Schkopau.“ Wenn wir überholen oder überholt werden, schauen wir ab und zu in die Autos hinein. In den Ostautos sind die Gesichter fast immer sehr ernst. Wir sehen kaum Lachen. Ob wir das auslösen, die wir direkt neben ihnen fahren und doch aus einer ganz anderen Welt sind? Wir reden darüber.
„Sie sind sich ihres Eingesperrtseins bewußt!“, sage ich. Keine Frage, darüber sind wir uns einig.
„Ob sie sich irgendwann befreien können?“, fragt Isa.
„Das haben sie versucht“, antworte ich. „Am 17. Juni 1953 in Ostberlin. Deswegen haben wir den Feiertag am 17. Juni. Aber“, gebe ich zu bedenken, „da ging es nur um die Normerhöhung beim Bau der Stalinallee. Der Ruf nach Freiheit kam erst später und dann kamen ja auch schon die russischen Panzer.“ Wir schweigen eine Weile und dann fällt mir ein, wieso mir vorhin Prometheus eingefallen ist. Weimar und der Wolkendunst. ‚Bedecke deinen Himmel, Zeus, mit Wolkendunst‘, dann fällt mir der Rest nicht mehr ein, erst die Zeile ‚Und meinen Herd, um dessen Glut du mich beneidest‘. Isa sieht mich lachen und fragt:
„Was lachst Du?“
„Ach“, antworte ich, „ich habe gerade mein Gehirn beim Denken beobachtet, hatte eine Assoziationskette mit dem alten Johann Wolfgang. Aber der Gedanke an Revolutionen ist interessant. Wenn wir Andorra inszenieren, dann haben wir es wieder mit einer Gruppe Mitläufer zu tun, die nicht daran denken, das Denken, zu beginnen und auch nicht von passiv auf aktiv umzuschalten.“
„Jede Revolution braucht einen Anführer!“, sagt Isa und weiter: „Ideal wäre vielleicht eine Mischung aus Prometheus und Ikarus. Revolutionen kommen in Wellen. Dann ist viele Jahre alles still.“ Ich kann nur resigniert antworten:
„Hier braucht es einen Tsunami, um das SED-Regime zu beseitigen. Davon sind die aber unendlich weit weg.“
Es ist stockdunkel, als wir in Dreilinden an der Grenze zu Westberlin ankommen. Der Grenzsoldat kommt extra aus seinem Häuschen und fragt:
„Warum waren Sie so lange unterwegs?“ Ich antworte ihm:
„Wir haben nur einen alten Käfer mit 6-Volt-Anlage, da sieht man kaum etwas bei dem Schneetreiben.“ Er zeigt etwas wie Verständnis und will uns gerade die Papiere für die Weiterfahrt geben, als es mir herausrutscht:
„Und das auf Ihrer feldwegartigen Autobahn.“
Er winkt uns zur Seite in eine Halle. Der Wagen kommt auf eine Rampe und wird aufs Gründlichste untersucht. Dann endlich dürfen wir weiterfahren. Mira hat zwischenzeitlich in die Halle gepieselt und weil der Käfer nicht mehr anspringt, müssen uns die Grenzer anschieben.
Bei Isas Bruder in Moabit schlafen wir auf der Gästematratze. Wir sind müde und schlafen sofort ein. Nach dem Frühstück besuchen wir ihn in der Uni und essen zusammen in der Mensa. Dann lädt er uns zu einer Stadtrundfahrt ein. In mir steigen ungute Gefühle auf. Scheißstadt. Früher war ich in Ostberlin, sah ständig die Mauer und durfte nicht nach Westberlin; Jetzt bin ich in Westberlin und darf nicht zu Renate zum Prenzlauer Berg nach Ostberlin. Ich kann nicht mal anrufen, Renate hat kein Telefon. Wir schicken zusammen eine Postkarte: „Viele liebe Grüße aus Moabit zum Prenzlauer Berg“ und unterschreiben alle.
Spaziergang mit Mira im Tiergarten, abends eine Studentenkneipe. Am nächsten Morgen Heimfahrt. Am Ende der AVUS, vor der Grenzanlage Dreilinden, stehen viele Tramper und halten Schilder hoch mit Richtung Hannover oder Richtung Nürnberg. Wir fahren Richtung Nürnberg und nehmen ein junges Mädchen mit. Außer einem Tankstop an der Raststätte Hermsdorfer Kreuz, wo auch Mira (an der Leine) spazieren gehen kann und ich auf diese unvorstellbar übel riechenden Toiletten gehe. Wieso können die weltweit ihre Toiletten sauber halten und hier im Osten stinken die, egal wohin man kommt? Als wir endlich in Rudolphstein wieder nach Westdeutschland kommen und ich unbedingt einen Schnaps trinken muß, denke ich, für mich ist Ostdeutschland wie eine irreale Landschaft, nicht mehr wirklich existent. Ein Gefühl, wie ein amputierter Teil meines Lebens.